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Purtscher Relations lud zur Premiere der ,Tafelrunde‘ und einem Interview mit umgekehrten Vorzeichen: Christian Konrad befragt Ingrid Thurnher

,Sie schenken zwei Hirschen das Leben ‘

Carola Purtscher, seit einem Jahr mit ihrer PR-Agentur Purtscher Relations auf dem Markt, lud zum Auftakt ihrer neuen Veranstaltungsserie in die „Gerstner Beletage“ im Palais Todesco, dereinst eine der Wiegen der Wiener Salonkultur und somit ein passender Rahmen für die Premiere von Purtschers „Tafelrunde“. Ebendiese Runde war denkbar hochkarätig besetzt, was ganz bestimmt auch an der Strahlkraft des Hauptprogrammpunktes lag: Christian Konrad, bis zum Sommer 2012 mächtiger Raiffeisen-Generalanwalt schickte sich an, die ORF-Nachrichtenmoderatorin Ingrid Thurnher zu befragen - zu Beruf, Politik und Privatleben. Wiewohl Inhalte wie auch die Gästeliste der Tafelrunde nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, darf HORIZONT einige Passagen aus diesem Gespräch mit ungewohnter Rollenverteilung veröffentlichen. 

Christian Konrad: Ich gestehe, dass mich dieser Abend im Vorfeld einigermaßen beschäftigt hat...

Ingrid Thurnher: Mich auch! Und erst als ich jetzt vom Tisch aufgestanden bin, habe ich den wertvollsten Tipp bekommen, nämlich von Josef Pröll, der mir  sagte: Sie wissen eh, man muss nicht alle Fragen beantworten!

Konrad: Darauf komme ich dann gleich zurück... Sie waren 1986 bis 1991 beim ORF Niederösterreich – da sind wir einander nicht begegnet...

Thurnher: Das kann nur daran liegen, dass sie damals schon so wichtig waren, dass man auf keinen Fall eine Landesstudioreporterin auf Sie angesetzt hätte.

Konrad: Die Wahrheit ist, ich war so ein kleines Rad, dass der ORF gar nicht gewusst hat, dass es mich gibt. Gut 1991, da war ich dann schon auf der Welt. Jedenfalls wurden Sie dann zur Polit-Talk-Lady Nummer 1 und Moderatorin der Zeit im Bild. Wie geht‘s Ihnen denn jetzt im ORF mit Ihrer derzeitigen Aufgabe?

Thurnher: Mir geht‘s gut und ich habe es auch gar nicht gern, wenn man sein Arbeitsleben öffentlich beklagt. Aber da Sie mich schon danach fragen: Es gibt zwei Dinge, die ein bisschen lästig sind. Das Eine ist die systematische Interviewverweigerung interessanter Personen, und zwar immer dann, wenn sie besonders aktuell wären. Das Zweite ist, dass wir oft mit Formaten wie Günther Jauch verglichen werden. Das schmeichelt zwar sehr, aber das wäre ungefähr so, wie wenn man die Raiffeisen Landesbank Niederösterreich mit der Deutschen Bank vergleichen würde. Nur eine Kennzahl: Der Günther Jauch hat 80 Mitarbeiter, die seine Sendung vorbereiten, und ich habe drei.

Konrad: Ist es nicht auch so, dass der Günther Jauch interessantere Gesprächspartner hat?

Thurnher: Da kommen wir wieder zu Punkt eins, der Interviewverweigerung.

Konrad: Was zeichnet für Sie einen idealen Gesprächspartner aus?

Thurnher: Der muss ein Gespür dafür haben, was man in einer bestimmten Situation sagt, und was nicht. Ich wünsche mir mehr Klarheit und Mut zur Offenheit und, dass diese eingelernten Phrasen beiseite gelegt werden. Wenn also einer beispielsweise darauf angesprochen wird, dass er in seiner Jugend ja auch Taxi gefahren ist, und der antwortet verschämt: „Ja aber nur ein paar Mal., dann verstehe ich das einfach nicht! Warum sagt dieser Mensch nicht: „Ja, das bin ich, und wissen Sie, was ich dabei alles gelernt habe?“ 

Konrad: Sie haben einen eigenen Interviewstil - Sie fragen zur Sache, sind aber nicht bissig und wollen den Gesprächspartner nicht niedermachen, wie manche ihrer Kollegen, wie zuletzt bei den Sommergesprächen. 

Thurnher: Also bitte: Armin Wolf hat, was die Zuschauerzahlen betrifft, die erfolgreichsten Sommergespräche aller Zeiten geführt. Darüber hinaus habe ich dazu zwei Gedanken: Man kann ein Interview anlegen wie ein Match, wo am Ende entschieden wird, wer gewonnen hat. Oder man kann ein Interview nach dem Motto anlegen: „Das Wichtigste ist, dass die Leute nachher gescheiter sind als vorher“. Diesem Prinzip habe ich mich immer verpflichtet gefühlt. Was aber dazu kommt: Bissige Frauen kommen ganz schlecht an – da wird man schnell als Bissgurn abgestempelt. Und so eitel bin ich dann doch, dass ich mir dieses Image nicht anzüchten möchte.

Konrad: Wie gehen Sie mit Kritik um?

Thurnher: So wie die meisten Menschen: Zuerst tut es weh, dann muss man sich das eigene Versagen eingestehen – das tut noch mehr weh. Wenn man sich wieder eingekriegt hat, überlegt man sich, wie man es das nächste Mal besser machen kann. Grundsätzlich bin ich eher ein Vaserl, mir tut Kritik weh, auch wenn ich weiß, dass sie berechtigt ist.

Konrad: Wie sind Sie als Journalistin mit der Qualität ihrer Kollegen zufrieden?

Thurnher: Das ist ganz unterschiedlich - manche liebe ich heiß, bei anderen denke ich mir, dass die Produkte, die sie vertreiben nichts mit Journalismus zu tun haben. Da dienen ein paar möglichst reisserische Schlagzeilen nur als Umrahmung für die Inserate.

Konrad: Sie stammen aus einer großen Familie, haben drei Schwestern, der Vater war Erfinder und Unternehmer. Hat sie das Unternehmertum nie gereizt?

Thurnher: Doch, trotzdem bin ich irgendwie das schwarze Schaf in der Familie, weil ich die einzige bin, die nicht diesen Weg beschritten hat.

Konrad: Sie gelten als sehr gut Köchin und hervorragende Gastgeberin - Schwammerl suchen ist eine Leidenschaft. Ich bitt‘ Sie nur, dass Sie am Morgen und Abend nicht in die Einstände gehen, weil das Wild seine Ruhe braucht.

Thurnher: Bitte, da muss ich Sie entlarven - auch mein Mann ist Jäger und ich weiß, dass das Wild in der Früh weniger Ruhe braucht, als der Jäger, um selbiges zu erlegen.

Konrad: Also: Nicht jeder, der eine Jagdkarte hat, ist ein Jager! Aber gut: Jedenfalls sind der Herr Landesjägermeister (Josef Pröll, Anm.) und ich heute abend da - und das mitten in der Hirschbrunft. Das heißt Sie schenken gerade zwei Hirschen das Leben.

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